de

Im Zentrum: Kinder mit Epilepsie in Kindergarten und Schule

06.10.2017

(fb) Epilepsiekranke Kinder und Jugendliche vor dem sozialen Abseits zu bewahren, war das zentrale Anliegen der Referenten bei einer Veranstaltung im Epilepsiezentrum Kork zum bundesweiten „Tag der Epilepsie“ am 5. Oktober 2017.

 Die gesellschaftliche Isolation beeinträchtigt viel häufiger den Alltag der erkrankten Kinder, als die epileptischen Anfälle. „Ursache sind auch im 21. Jahrhundert noch Vorurteile und Unkenntnis über die Krankheit Epilepsie“, so Dr. Thomas Bast, Chefarzt der Epilepsieklinik für Kinder und Jugendliche in Kork. Aus seiner praktischen Arbeit berichtete er von Kindern, die aus Unsicherheit über den Umgang mit der Erkrankung nicht in Kindergärten aufgenommen werden. Schüler würden immer noch ohne sachliche Begründung aus dem Sportunterricht ausgeschlossen oder dürften nicht an Ausflügen und Schullandheimaufenthalten teilnehmen. Auf sehr verständliche Weise vermittelte er den rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, überwiegend Pädagogen aus Kindergärten und Schulen, Basisinformationen zur Krankheit Epilepsie. Etwa 0,4 Prozent aller Schüler sind an Epilepsie erkrankt. Da mit moderner Therapie bei rund 70 Prozent Anfallsfreiheit erzielt werden kann, könnten sie eigentlich eine völlig normale Entwicklung durchlaufen. Doch die Ängste der Eltern sowie der Pädagogen führten häufig zu einer Überbehütung und in der Folge Entwicklungsstörungen, Fehlentwicklungen und zugeschriebenen Sonderrollen. Darauf machte auch der langjährige Psychologe Dr. Hans Mayer aufmerksam. In Langzeitbeobachtungen werde sichtbar, dass der nicht angemessene Umgang des Umfeldes mit epilepsiekranken Kindern dazu führe, dass sie als Erwachsene überdurchschnittlich häufig unverheiratet leben, beruflich geringer qualifiziert sind und dies mit geringerem Einkommen und geringerem sozialen Status einher gehe. Mayer appellierte an die Teilnehmenden offen mit der Krankheit umzugehen und situationsbezogen, kindgemäß aufkommende Fragen zu beantworten.

Die ganze Bandbreite an Unterstützungsangeboten zeigten im Anschluss Barbara Tonnelier, Mitarbeiterin im Sonderpädagogischen Dienst des Oberlin-Schulverbunds und Lisa Bick von der Epilepsieberatungsstelle in Kork auf. Beide skizzierten an Beispielen ihre Arbeit in der Beratung von Schulen und Kindergärten. Bei frühzeitiger Einbeziehung gelinge es immer wieder den Weg für ein gutes Leben mit Epilepsie zu ebnen. Durch Verbesserung des Informationsstandes, der Klärung von rechtlichen Fragen bezüglich Aufsicht und Haftung und durch den Aufbau einer offenen Kommunikation zwischen allen Beteiligten können Stolpersteine ausgeräumt werden. Sozialarbeiterin Michaela Pauline Lux ermutigte Eltern und Pädagogen nach unterstützende Angeboten nachzufragen, die das Sozialsystem betroffenen Kindern, deren Familien sowie Kindergärten und Schulen im Bedarfsfall bietet.
Die Epilepsieberatungsstelle des Epilepsiezentrums Kork gibt als einzige Beratungsstelle in Baden-Württemberg niederschwellig Auskünfte zur Krankheit Epilepsie, berät in sozialen Fragen und vermittelt Kontakte zu Unterstützungsangeboten.
Kontakt: Tel. 07851/84-2500 oder per E-Mail: epilepsieberatung@epilepsiezentrum.de 

Am Tag der Epilepsie informierte Chefarzt Dr. Thomas Bast Pädagogen und Eltern über medizinische Grundlagen der Krankheit Epilepsie.
 

Projekte

Mailand-San Remo
für Kinder mit Epilepsie

Ein Patient der Epilepsieklinik für Kinder und Jugendliche dankt mit einer Spendenaktion für die erfolgreiche Behandlung.

Beratungsstellen

Das Epilepsiezentrum Kork trägt die EpilepsieBeratungsstelle in Kork mit einer Außenstelle in Karlsruhe.

Menschen ohne Lautsprache oder mit eingeschränkten Möglichkeiten zur Artikulation erhalten umfassende Beratung über technische und nicht technische Hilfsmittel in der Beratungsstelle "Unterstützte Kommunikation".

Hier gibt es Wissenswertes zur Krankheit "Epilepsie".

Modellprojekt Epilepsie

Das "Modellprojekt Epilepsie" unterstützt die berufliche Integration junger Menschen mit Epilepsie und weiteren Beeinträchtigungen.

mitMenschPreis

Das Projekt "zueinander-miteinander-füreinander" wurde mit dem mitMenschPreis ausgezeichnet und im Film dokumentiert.

 
 

 © Diakonie Kork